Profil eines Schwertkampfmeisters

Name

Ricker

Vorname

Axel

Geburtsdatum

17.02.1976

Geburtsort

Dissen a.T.W

Ausbildung

Rettungsassistent

Künstler und Spielenamen

Expertus, Catwiesel und Der Fuerst

Beruf / Berufung

Ausbilder für mittelalterliche Kampfkünste, Schaukampf und Freikampf

Trainer des Instituts für Gewaltprävention, Selbstbehauptung und Konflikttraining (I-GSK); Schwerpunkt: Deeskalationstraining, Teambuilding für Gruppen und Klassen sowie Selbstbehauptung für Jungen

Mein Name ist Axel Ricker und ich bin …. So oder so ähnlich fangen doch Vorstellungsrunden immer an. Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich keine Lust derartig Triviales über mich zu erzählen. Und wenn Sie ehrlich sind, interessiert es Sie wenig, auf welche Grundschule ich gegangen bin und was mein liebstes Schulfach oder mein Lieblingspudding ist. Mich würde das auch nicht interessieren. An mir würden andere Fragen nagen: Wie kommt man darauf, eine Schwertkampfschule zu eröffnen? Wie wird man überhaupt ein Schwertkämpfer? Und noch viel brennender würde ich wissen wollen:

Was ist das für ein Mensch, der sein Leben dem Schwertkampf gewidmet hat?

Ritter und Burgen haben mich mein Leben lang fasziniert – und wie die meisten anderen Jungen auch, habe ich mit wachsender Begeisterung mein Holzschwert geschwungen und Ritter gespielt. Das Schloss zu Fürstenau war mein liebster Spielplatz, an dem ich meine Vorstellungen eines eleganten und ehrenhaften Kriegers phantasievoll ausspielen konnte. Ein Ritter – das war für mich ein Mann von Ehre und Gerechtigkeit, ein Sinnbild korrekten Verhaltens, ein Ideal, nach dem es zu Streben galt. Meine Eltern haben meine Faszination mit ‚Was ist was’-Büchern, Fachbüchern und zahlreichen Ausflügen zu Schlössern, Burgen und Museen Deutschlands und Österreichs unterstützt. So hatten meine Eltern gehofft, meine unersättliche Neugierde zu stillen – doch mit jedem Buch, mit jedem Vortrag, mit jeder Burgbesichtigung wuchs meine Wissensgier. Vor allem die frühmittelalterliche Kampfkunst gab mit ihre Rätsel auf, die ich mit allen Mitteln und aller Macht lösen wollte.

Sobald ich konnte, habe ich die Suche nach Informationen über das Mittelalter selber in die Hand genommen, habe historische Märkte und mittelalterliche Spektakel besucht. Auf Mittelaltermärkten glaubte ich, das Mittelalter wirklich hautnah erfahren zu können. Es war etwas zum Sehen und zum Anfassen, ein direktes und unmittelbares Erleben von mittelalterlichem Flair. Für mich galt die Devise: Dabei sein ist alles – so oft und so lange wie möglich. Doch wer kennt das nicht? Das Gefühl, dass man noch mehr erfahren und wissen möchte? Dass das, was man bisher gelernt und erlebt hat, nur ein Bruchteil vom großen Ganzen ist? Und schlagartig wurde mir bewusst, dass ich bisher immer nur stiller Beobachter und in meiner Faszination für die historische Kampfkunst erstarrt war. Es blieb nur ein Weg offen: selber aktiv zu werden.

Mittelaltermärkte wurden damit für mich zum Sammelplatz von Informationen und Kontakten. Keine Rittergruppe war vor meinen nachbohrenden Fragen sicher und wo immer ich konnte, habe ich mir Kampftechniken abgeguckt. Wie heißt es noch so schön? Wer sucht, der findet. Mit meinem neuen Engagement, mich selbst in der mittelalterlichen Kampfkunst zu versuchen und mir meine eigene Meinung zu bilden, habe ich eine Kampfgruppe gefunden, die mich bei den ersten vorsichtigen Schritten in der Kampfkunst begleitet und mich dann als Showkämpfer ausgebildet und aufgenommen hat. Und nun war ich selbst einer derjenigen, die auf einem Mittelaltermarkt fasziniert beobachtet und heimlich bewundert wurde.

Ein Ereignis jagte seitdem das andere: Auftritte auf Mittelaltermärkten, Shows bei Firmenfesten und Geburtstagen, kleine Filmauftritte und Aufträge als Stuntman und Stuntkoordinator für Filme im mittelalterlichen Milieu, Auftritte auf Messen wie der ISBO München oder der Spielemesse Essen, Einladungen zur Nordconn und zu Larpveranstaltungen.

Doch bereits kurz nachdem ich als professioneller Showkämpfer meine ersten Erfolge auf Märkten feiern konnte, quälte mich das Gefühl, den Rätseln der mittelalterlichen Schwertkampfkunst kein Stückchen näher gekommen zu sein. So nahm ich meine Suche wieder auf und sammelte die spärlichen zeitgenössischen Informationen und die wenigen schriftlichen Überlieferungen zum Kampfstil des frühen Mittelalters. Recherche, Meinungsaustausch und Diskussionen über die Praktikabilität von allen nur erdenklichen Techniken bestimmten meine Gespräche am Lagerfeuer. Eines wurde immer deutlicher: die Rätsel des historischen Kämpfens würden wohl im Nebel der Vergangenheit verborgen bleiben. Aber ich hatte genug Erfahrung gesammelt, um mich an meiner Interpretation historischer Kampfkunst zu versuchen. Über die Verknüpfung mit meinem Wissen um den Showkampf kam ich zur Entwicklung eines neuen und eigenen Kampfsystems. Ob die Interpretation des historischen Kämpfens gelungen ist, mag angreifbar sein, ist aber für mich auch deutlich in den Hintergrund gerückt. Der Spaß an der Kampfkunst und der kreative Umgang mit Kampfideen stehen für mich heute im Vordergrund.

Das ist ja alles schön und gut, denken Sie jetzt wahrscheinlich. Doch von einem enthusiastischen Hobbysportler mit kreativen Ideen zu einem Schwertkampfmeister mit eigener Schule ist noch ein weiter Weg. Und Recht haben Sie…

Ich will ehrlich sein – ganz freiwillig habe ich ein ‚gut-bürgerliches’ Leben nicht aufgegeben, um einen Traum zu leben. Zwar habe ich mich stets mit einem Schwertkämpfer und seinem Lebensstil identifizieren können, doch ich hätte mir im Leben nicht träumen lassen, einmal eine Kampfschule zu gründen. Doch Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und schlechter Konjunktur verlangen Mut, Kreativität und ungewöhnliche Wege. Anstatt als arbeitsloser Rettungsassistent mein Leben zu fristen, habe ich den Vorstoß gewagt und einen Traum zur Realität gemacht.